Doping im spanischen Sport ?

Wenn Yannick Noah in „Le Monde“ den spanischen Sport pauschal bezichtigt, für systematisches Doping zu stehen, dann wissen sowohl Noah als auch die anerkannte französische Tageszeitung, dass diese Information Wellen schlagen wird. Und in dieser allgemeinen Form ist die Beschuldigung gewiss nicht politisch korrekt. Die Forderung Noahs am Ende, Doping aus Gründen der Chancengleichheit freizugeben, ist grober Unfug. Er wird auch von vielen anderen vertreten. Rafael Nadal und sein Trainer „Onkel Toni“ sind verbal gleich gegen Noah vorgegangen und haben ihn „zweifelhafter Ehrlichkeit“ geziehen. Nadal: „Meiner Meinung nach stammt das, was er geschrieben hat, von einem Kind. Und was ein Kind sagt, tut uns nicht weh.“

Auf der anderen Seite stehen die vielen auffälligen Erfolge spanischer Athleten und Mannschaften im internationalen Spitzensport: im Fußball, Basketball, Radsport und Tennis etwa. Und die Tatsache, dass Alberto Contador seine Kontaminierung mit Clenbuterol bei der Tour de France 2010 auf ein verunreinigtes Fleisch zurückführt. Inzwischen will Contador, der vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas vernommen wird, sogar mit einem am 3. Mai 2011 in Kalifornien bei dem Spezialisten Louis Rovner durchgeführten Lügendetektor-Test belegen, dass er nicht gedopt habe. Vor den Cas sind ja der Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Antidoping-Agentur Wada gezogen, weil Contador vom spanischen Radsportverband freigesprochen worden war.

Haben wir die mehr als 200 Blutbeutel vergessen, die 2006 bei dem Gynäkologen Eufemio Fuentes in Madrid aufgetaucht sind? Ich kann mich auch noch sehr gut an die weit aufgerissenen Augen von Alex Corretja erinnern, als er in den Neunzigern des letzten Jahrhundert einmal das Endspiel der ATP-Weltmeisterschaft erreicht hatte.

Es mag also sein, dass Yannick Noah ein zweifelhafter Zeuge ist, der Publicity sucht und einen verfehlten Vorschlag macht. Hoffen wir aber, dass sich nicht ein Teil seiner Beschuldigungen eines Tages als berechtigt erweist.

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