Spanien: ein würdiger Fußballweltmeister

Durch ein Tor von Andres Iniesta (FC Barcelona) kurz vor Schluss der Nachspielzeit gegen die Niederlande hat Spanien verdient den Weltmeistertitel gewonnen. Der beste Spieler des Turniers hat hier das entscheidende Tor geschossen. Dabei verfallen wir nicht in den Tore-Fetischismus, wie er ansonsten im Sportjournalismus weithin üblich ist. Spaniens Torjäger David Villa (FC Valencia), der in den Spielen vorher ziemlich entscheidend gewesen war, hatte im Endspiel schon seine Form verloren. Dann übernimmt in einer leistungsstarken Mannschaft eben ein anderer die Rolle des Torschützen. Und bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 hat der deutsche Aufsteiger Thomas Müller (Bayern München) die meisten Tore geschossen.

Spanien dominierte im Endspiel mit seinem gewohnt technisch brillanten Kurzpassspiel, mit einer sehr sicheren und flexiblen Abwehr, mit Kondition, Geduld und Torgefährlichkeit. Die Mannschaft hat sich als die weltbeste im Turnier in Südafrika gezeigt. Dabei war der Gegner vorher kaum weniger überzeugend aufgetreten. Die Niederländer mit ihrer hohen spielerischen und taktischen Intelligenz und mit ebenfalls herausragenden Einzelspielern hatten sich auf Konter kapriziert. Angesichts der von Anfang an dominierenden Spanier mussten die Niederländer, um den Spielfluss der Iberer zu unterbinden, mehr und mehr zu „taktischen Fouls“ greifen, die immer brutaler wurden. Der Spieler, der diese Spielweise wie kein anderer verkörpert und beherrscht, Mark van Bommel (Bayern München), hätte schon in der ersten Halbzeit die gelb-rote Karte verdient gehabt. Nigel de Jong (Manchester City) die rote. Es traf dann Johnny Heitinga (FC Liverpool) nach der Pause mit einer gelb-roten Karte. Die sehr guten niederländischen Spieler machten sich wie schon häufiger vorher durch ihr „rationales“ Spiel unbeliebt. Arjen Robben (Bayern München) erschien dabei – nicht ganz zu Unrecht – als verbissener Freistoß- und Elfmeterschinder.

Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika hat sich also das System des FC Barcelona durchgesetzt wie schon bei der Europameisterschaft 2008. Das liegt gewiss nicht zuletzt auch an der dort seit langem sehr gut ausgebauten Nachwuchsarbeit (Lionel Messi) und an guten Trainern. Dass hier auch viele sehr teure Spieler gekauft werden, versteht sich von selbst. Allerdings ist der Klub auch dadurch hoch verschuldet, was die Fans möglicherweise wenig interessiert. Jedenfalls hat Barcas neuer Präsident Sandro Rosell während der WM bekannt gegeben, dass der Verein einen Kredit von 150 Millionen Euro benötigt, unter anderem um die zum 30.6.2010 fälligen Spielergehälter bezahlen zu können. Und sollte der FC Barcelona, was sich hier und da schon angedeutet hat, auch noch für die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens instrumentalisiert werden, dann wird der Fußball hier politisch missbraucht.

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