Ginge man bei der Analyse der Fußballweltmeisterschaft 2010 nach dem Achtelfinale schematisch vor, so kristallisierte sich schnell die Erkenntnis heraus, dass Südamerika mit vier verbliebenen Manschaften (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay) der erfolgreichste Kontinent ist. Vor Europa (Niederlande, Spanien, Deutschland) und Afrika (Ghana). Und tatsächlich ist festzustellen, dass Afrika und Asien kaum aufgeholt haben. Das liegt bei den afrikanischen Verbänden wahrscheinlich an den dortigen Strukturen, der Korruption und der nicht immer optimalen Vorbereitung. Ich zähle viele afrikanische Verbände zum System Blatter.
Von den Gruppen A bis H sind bis auf die Gruppe C (1. USA, 2. England) alle Gruppenersten im Viertelfinale. Die Deutschland-Gruppe ist noch zweimal vertreten (Deutschland und Ghana). Das gibt schon zu denken. Die Probleme im französischen Verband und ein uneinsichtiger Trainer, der seinem südafrikanischen Kollegen, dem Brasilianer Parreira, sogar den Handschlag verweigert, sind inzwischen hinreichend bekannt. Und England hat ja seit vielen Jahren nicht die Spieler, hatte sie bis auf 1966 nie. In der Premiere League dominieren die Ausländer. Hier kommen wir auf einen entscheidenden und für diese Weltmeisterschaft 2010 bestimmenden Gesichtspunkt. Die stärksten und wichtigsten Spieler arbeiten in europäischen Ligen (England, Deutschland, Spanien, Italien). Von dort haben sie die Kondition, die Disziplin und das taktische Verständnis. Dass dann so unterschiedliche Typen wie Maradona, Dunga und Löw die Inspiratoren ihrer Mannschaften sein können, wird durch den Verlauf des Turniers bestätigt. Einzelne Spieler wie Messi, Ronaldo und Iniesta dominieren noch nicht so wie erwartet. Das hat sich bei früheren Weltmeisterschaften auch erst nach dem Finale gezeigt. Ronaldo bringt sich durch seine Mätzchen um seine internationale Anerkennung. Der Spieler, der bisher am meisten für seine Mannschaft bewirken konnte, ist Bastian Schweinsteiger.
Die deutsche Mannschaft spielt erfreulich erfolgreich. Das liegt eindeutig am Team Joachim Löws. Der Ausfall Ballacks hat zu einer neuen, größeren Beweglichkeit im Mittelfeld (Schweinsteiger, Khedira, Müller und Özil) geführt, die die deutsche Mannschaft relativ unberechenbar macht. Dabei sind die Schwächen in der deutschen Hintermannschaft unübersehbar (Badstuber, Mertesacker, Neuer). Könnte nicht einmal Boateng rechts und Lahm links verteidigen? Übrigens ist der schöne Erfolg der deutschen Fußballnationalmannschaft auch noch ein Resultat des Systems Klinsmann. Dies ist den deutschen Fußballzuschauern schwer zu vermitteln, die autoritäre Hammel besser verstehen, weil sie einfacher zu verstehen sind. Jürgen Klinsmann ist m.E. persönlich daran gescheitert, dass er zu „kalt“ und berechnend erscheint, nicht an seiner Kompetenz. Und Themen wie „Zapfenstreich“ und Frauen bei den Spielern sind unbedeutend geworden. Außer bei den Straßenverkaufszeitungen, die in dieser Hinsicht kaum ernst zu nehmen sind. Bei den Reportern im Fernsehen frage ich mich manchmal, ob sie sich eher einer sportlichen Berichterstattung oder dem Erreichen von Marktanteilen verpflichtet fühlen. Bei Letzterem müssen dann die üblichen Vorurteile gepflegt werden. Brasilien zum Beispiel ist bisher souverän durch das Turnier gegangen. Den Reportern und ihren Zuschauern reicht das aber nicht. Sie wollen einmal einen Favoriten fallen sehen. Dafür haben wir Verständnis.
Zum Schluss eine Prognose: Brasilien und Deutschland erreichen das Endspiel. Und Brasilien wird Weltmeister.
Deutschland wird Weltmeister, denn Holland darf leider nicht Weltmeister werden. Gruß aus Borussen Fankurve… 😉