Archive for the ‘Sport’ Category

3671: Bellingham (BVB) kritisiert Schiedsrichter Felix Zwayer.

Montag, Dezember 6th, 2021

Jude Bellingham, 18, (Borussia Dortmund) hat nach dem Spiel gegen den FC Bayern München (2:3) Schiedsrichter Felix Zwayer kritisiert. Bevor Bellingham im Sommer 2020 zu Borussia Dortmund kam, hatte er 40 Spiele für Birmingham City in der zweiten englischen Liga absolviert. Er sagte: „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartets du?“ Kritik an Zwayers Eignung und moralischer Integrität. Er war 2004 in die Affäre um den bestechlichen Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt. Am Rande.

Mittlerweile ermittelt der DFB-Kontrollausschuss „die sportstrafrechtliche Relevanz“. Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase hat Strafanzeige wegen „Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung“ gegen Bellinham erstattet. BVB-Chef Joachim Watzke meinte, Bellinhams Satz sei „nicht falsch, auch wenn er ihn nicht sagen muss. … Aber das ist dann auch der Emotionalität geschuldet, die man einem 18-jährigen zugestehen muss. Jude hat niemanden beleidigt, sondern ein Faktum geschildert.“ (Philipp Selldorf, SZ 6.12.21)

3670: Horst Eckel ist tot.

Sonntag, Dezember 5th, 2021

Der letzte Weltmeister von 1954, Horst Eckel, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hat 32 Länderspiele absolviert und gehörte in der Nationalmannschaft zum Kern vom 1. FC Kaiserslautern: Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Horst Eckel, Ottmar Walter, Fritz Walter. 1951 und 1953 wurde man Deutscher Meister. 1954 gab es im Endspiel die deftige 1:5 Niederlage gegen Hannover 96. Horst Eckel galt in der Mannschaft als Assistent und Helfer von Fritz Walter, dem großen Spielgestalter. Bescheiden sein Leben lang. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er Lehrer für Sport und Werken. Regelmäßig besuchte er Jugendstrafanstalten und Gefängnisse und wirkte mit an der Integration. 2017 war sein letzter 54er-Spielkamerad, Hans Schäfer vom 1. FC Köln, gestorben. Manche aus der Weltmeistermannschaft hatten nach dem Titel, einem nationalen Mutmacher,  ihr Leben kaum noch in den Griff gekriegt. 1974 starb bereits Werner Kohlmeyer. Alkohol, Verlorenheit, Aushilfsjob in der Pförtnerbude. Der Held von Bern, Helmut Rahn (Rotweiß Essen), hat seine Geschichte an den Theken und Tresen des Ruhrpotts zu häufig erzählt. bevor er die innere Emigration wählte (Roland Zorn, FAZ 4.12.21; Holger Gertz, SZ 4./5.12.21).

3669: Gottfried von Cramm – ein charmanter Star

Sonntag, Dezember 5th, 2021

Er trug einen berühmten Namen und war einer der besten Tennisspieler der dreißiger Jahre. Aber er war noch viel mehr als das. Jens Nordalm hat ihm eine Biografie gewidmet:

Der schöne Deutsche. Das Leben von Gottfried von Cramm. Hamburg (Rowohlt) 2021, 288 Seiten, 24 Euro.

Er war eine Art Roger Federer der Vorkriegszeit. Elegant, höflich, erfolgreich. Und bisexuell. Zweimal war er verheiratet und hatte Affären mit Männern. Dafür wurde er 1937 von den Nazis für sieben Monate ins Gefängnis gesteckt. 1939 verpasste er Wimbledon, weil er vorbestraft war. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt.

Nach 1945 wollte Gottfried von Cramm sein Leben zurück. Partiell gelang ihm das im Tennis. Und sein Ruf wurde bei uns Tennisfreunden gepflegt (witt., FAS 5.12.21).

3661: Grüne fordern diplomatischen Boykott der Winterspiele in Peking.

Montag, November 29th, 2021

Der sportpolitische Sprecher der Grünen, Erhard Grundl, fordert einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking. Das sei „das Mindeste“. Hintergrund ist das Verschwinden der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. Der Chef der Frauen-Welt-Tour WTA, Steve Simon, bezweifelt, dass es der Spielerin möglich ist, „frei, offen und direkt“ zu kommunizieren. Ihre Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch einen hohen chinesischen Funktionär verschwanden Anfang November blitzschnell aus dem Netz. Chinesische Zensur! Simon drohte damit, keine Turniere mehr in China auszurichten, solange die Sicherheit der Athletin nicht gewährleistet sei (SZ 29.11.21).

3659: Chinesiche Tennisspielerin: erst vergewaltigt, dann versteckt

Sonntag, November 28th, 2021

Peng Shuai stand bis vor zwei Jahren an der Spitze der Weltrangliste im Damendoppel. Seither hat sie kein Spiel mehr bestritten. Am 2. November beschuldigte sie im chinesichen Netzwerk Weibo den heute 75-jährigen ehemaligen Vizepremierminister Zhang Gaoli, sie mehrfach vergewaltigt zu haben. Seither war Peng Shuai aus der Öffentlichkeit verschwunden. Jeder, der die Methoden der kommunistischen Diktaturen kennt, weiß, wie die Partei- und Staatspropaganda mit solchen „Abweichlern“ umgeht. Gnadenlos. Allerdings hat Peng Shuai offenbar das Propagandasystem ins Wanken gebracht. Es wurde häufig über ihre Vorwürfe berichtet. Und es würde doch zu weit gehen, eine Olympiasportlerin wegzusperren, während im eigenen Land die Olympischen Winterspiele stattfinden.

Aber die chinesische Propaganda ist erfindungsreich und kreativ. Und hat ihre willfährigen Helfer. So zum Beispiel den IOC-Präsidenten Thomas Bach aus Deutschland. Er ist für seine Nähe zu Diktatoren bekannt. Hat sich von Menschen wie Horst Dassler (adidas) sponsern lassen. Etc. Bach ließ sich in einer Videokonferenz mit Peng Shuai filmen, nachdem diese irgendwo (aber wo?) wieder aufgetaucht war. Die Botschaft: Peng Shuai geht es gut. So hat die chinesiche Propaganda doch noch ihr Ziel erreicht. Und Thomas Bach knüpft da an, wo er sich 2014 anlässlich der Olympischen Winterspiele in Sotschi und angesichts der russischen Annektion der Krim mit Wladimir Putin und Champagner fotografieren ließ (Johannes Knuth, SZ 23.11.21; Christoph Giesen, SZ 23.11.21).

3653: Markus Anfang ist nicht mehr Trainer von Werder Bremen.

Montag, November 22nd, 2021

Die Verträge des Fußballtrainers Markus Anfang, 47, und seines Assistenten Florian Junge mit Werder Bremen sind aufgelöst. Grund ist ein Ermittlungsverfahren der Bremer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Nutzung eines gefälschten Zertifikats. Der Impfstatus von Anfang war letztlich ungeklärt. Werder Bremen hatte ihn zunächst gestützt, konnte daran aber wegen einer „anderen Sachlage“ nicht mehr festhalten. Finanzvorstand Klaus Filbry sprach von einer „sehr klaren Indizienlage“. Anscheinend hat Markus Anfang den Klub, seine Fans und die Öffentlichkeit belogen. Werder Bremen hat einen enormen Imageschaden („Werder-Familie“), einen sportlichen und finanziellen Schaden erlitten.

Wie der Fall Kimmich zeigt, kann dadurch der deutsche Fußball schwer geschädigt werden.

Klaus Filbrich: „Für uns ist die Akte Markus Anfang geschlossen.“ (Thomas Hürner, SZ 22.11.21)

3627: Uwe Seeler 85

Samstag, November 6th, 2021

1954 war Deutschland gerade überraschend Fußballweltmeister geworden. Ein Baustein bei der Wiedergewinnung des Selbstbewusstseins nach den Massenverbrechen in der Nazizeit. Da tauchte schon der nächste Stern am Fußballhimmel auf, der damals 18-jährige Uwe Seeler vom HSV. Ein einfacher und bodenständiger Junge, aber ein gewaltiger und torgefährlicher Stürmer. Bekannt für seine Kopfbälle und Volleyschüsse. Ein Rekord-Torschütze. Er hätte sich gebärden können wie ein Star. Aber das tat er nicht. Als er verlockende Angebote aus dem Fußball-Italien erhielt, nahm er sie nicht an, sondern blieb beim HSV. Der demgemäß um 1960 eine Erfolgsphase einlegte. Auf Augenhöhe mit Real Madrid und dem FC Barcelona.

Mit Seeler reüssierte auch wieder die deutsche Fußballnationalmannschaft (1958 in Schweden, 1966 in England, 1970 in Mexiko). Ihr Schlachtruf war „Uwe, Uwe, Uwe“. 1965 schon war Uwe Seelers Autobiografie „Alle meine Tore“ erschienen. Fußball war damals noch Volkssport. Und nicht von russischen Oligarchen und arabischen Prinzen gekauft. Wer heute noch oben mitspielen will, muss sich den Gesetzen der Finanzmärkte unterwerfen. Das gab es zu Uwe Seelers Zeiten (bis 1972) nicht.

Beim Tode von Seelers Gegner Gordon Banks im WM-Finale 1966, dem Torwart der siegreichen englischen Mannschaft, sagte 2019 der Schriftsteller Don Mullan: „Wir lebten in einer Zeit, in der Sporthelden gewöhnliche und zurückhaltende Menschen gewesen sind, deren Bescheidenheit der Treibstoff unserer Träume war.“ Inzwischen ist der Film von Reinhold Beckmann und Ole Zeisler erschienen: „Uwe Seeler. Einer von uns.“ Seeler kann nicht mehr alle Termine selbst wahrnehmen. Manchmal geht er am Stock. Mit seiner Frau Ilka ist er seit 1959 verheiratet (Holger Gertz, SZ 5.11.21).

3622: Fritz Keller erhebt schwere Vorwürfe gegen Rainer Koch (DFB).

Donnerstag, November 4th, 2021

Beim DFB herrscht üblicherweise Chaos. Ungeklärt ist nach wie vor, wofür der Medienberater

Kurt Diekmann

360.00 Euro erhalten hat. Er soll die Entmachtung der ehemaligen Präsidenten Reinhard Grindel und Fritz Keller medienbezogen begleitet haben. Nun erhebt Ex-Präsident Fritz Keller schwere Vorwürfe gegen den von manchen als heimlichen Drahtzieher betrachteten Vize-Präsidenten

Rainer Koch

und seine Mitstreiter (Ex-Generalsekretär Friedrich Curtius, Ex-Schatzmeister Stephan Osnabrügge). Sie hätten einen „Selbstbedienungsladen“ installiert. Ihnen fehle die menschliche, insbesondere charakterliche Eignung. „So gefährdet man die Reputation des DFB, auch die Anerkennung als gemeinnütziger Verband und die damit verbundenen steuerlichen Vorteile. Am Ende ist es das Geld, das dem Amateurfußball verloren geht.“ Rainer Koch gehe „jeglicher moralischer Kompass“ ab (Johannes Aumüller, Thomas KIstner, SZ 4.11.21).

3618: Breitner: Bei mir würden Ungeimpfte nicht einmal mittrainieren.

Dienstag, November 2nd, 2021

Der Fußball-Ex-Weltmeister Paul Breitner (früher FC Bayern München) erklärte in der SZ (2.11.21) seine Abscheu vor Ungeimpften. Für sie habe er „null Verständnis“. Bei ihm hätten solche Spieler nicht einmal mittrainiert.

3609: Joshua Kimmich (FC Bayern) beschädigt sich selbst.

Montag, Oktober 25th, 2021

Vor sechs Wochen hat die Spendeninitiative „We kick Corona“ von Leon Goretzka und Joshua Kimmich (beide FC Bayern) erklärt: „Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt genügend Impfstoff verabreicht werden kann.“ Nun hat die „Bild“-Zeitung aufgedeckt, dass Joshua Kimmich gar nicht geimpft ist. Verbunden mit den üblichen Sprüchen von der „Langzeitwirkung“, die unerforscht sei, von seiner Verantwortung, der er sich durchaus bewusst sei, er sei kein Coronaleugner oder Impftgegner etc. Da liegen schon Annahmen zugrunde, die nicht zutreffend sind. Nebenwirkungen beispielsweise treten innerhalb von wenigen Wochen auf und nicht nach langer Zeit.

Der Fall hat einen Riesenwirbel verursacht. Verständlicherweise.

Ungeimpfte Profis haben ein nachweisbar größeres Risiko, schwerer an Corona erkranken. Sie können länger ausfallen. Obwohl es keine Impfpflicht gibt, können Fußballvereine Profis unbezahlt freistellen, wenn die sich nicht impfen lassen. Noch während der Pandemie hatte der seinerzeitige Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge damit geworben, dass Profifußballer auch beim Impfen eine Vorbildfunktion hätten. Heute sagt Rummenigge  über Kimmich: „Ich bin überzeugt, (…) dass er möglicherweise zeitnah sich jetzt impfen lässt. Als Vorbild , aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft.“ Joshua Kimmich hat durch sein Verhalten das Vertrauen der Bevölkerung in das Impfen beschädigt. Das ist fatal. Als „Trittbrettfahrer“ profitiert er von einer kollektiven Anstrengung, ohne sich daran zu beteiligen. Die DFL spricht von 90 Prozent geimpfter Spieler, Trainer und Betreuer. Das Impfen schützt zuverlässig vor schweren Verläufen, auch wenn Impfdurchbrüche nicht völlig ausgeschlossen sind, wie der Fall Julian Nagelsmann zeigt.

Joshua Kimmich hat sich durch sein falsches Verhalten selbst beschädigt und wird künftig einen noch größeren Imageschaden erleiden. Nicht gut für den deutschen Fußball.

(Christopher Meltzer, FAZ 25.10.21; Michael Horeni, FAZ 25.10.21; Sebastian Fischer, SZ 25.10.21; Martin Schneider, SZ 25.10.21)