Archive for the ‘Sport’ Category

3961: Hannover 96 feuert Martin Kind.

Freitag, Juli 29th, 2022

Hannover 96 hat den Geschäftsführer Fußball, Martin Kind, gefeuert. „Mit sofortiger Wirkung“. Nun war Kind nicht nur Geschäftsführer, sondern Mehrheitsgesellschafter. Ein langer Rechtsstreit droht. Kind ist ein erklärter Gegner der 50+1-Regelung, die den Einfluß von Investoren wie ihm selbst begrenzen soll. 2019 hatte sich die Vereins-Opposition gegen Kind durchgesetzt und den ehemaligen Fanbeauftragten Sebastian Kramer zum Vorsitzenden gewählt. Der Profi-Fußballbetrieb ist ausgegliedert und wird von Martin Kind, Gregor Baum und dem Drogerieunternehmer Dirk Roßmann bestimmt. Die haben das Geld.

Teile des Vereins versuchen seit längerem energisch, sich von Geldgeber Kind zu lösen. Vereins-Ikone Dieter Schatzschneider: „Wenn dieser Vorstand jetzt die Profis übernimmt, ist das das Ende des Profifußballs von Hannover 96.“ Dem haben der ehemalige Trainer Peter Neururer und der Ex-Tennisprofi Nicolas Kiefer zugestimmt. Nachfolgekandidat ist der ehemalige DFL- und St. Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig (Felix Haselsteiner, SZ 29.7.22).

Auf Hannover 96 kommen schwere Zeiten zu.

3957: Tour de France – Mythos und Verhängnis

Montag, Juli 25th, 2022

In diesem Jahr hat es bei der Tour de France keine Dopingfälle gegeben. Wer das glaubt, befindet sich in der Sphäre zwischen Traum und Propaganda. Schon Bertolt Brecht wusste ja: „Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein.“ Das tut der Attraktivität der Veranstaltung offenbar keinen Abbruch. Auch wenn Asphalttemperaturen von 60 Grad üblich geworden sind. Das Peloton führt reichlich Nahrungsergänzungsmittel mit sich. Das Bild der Tour wird beim Publikum (hauptsächlich dem Fernsehpublikum) vom Leiden der Fahrer, der Volkshelden, bestimmt. Sie verkörpern Warnung und Werbung zugleich. Und die Werbung ist es, welche die Tour am Leben erhält. Ich sehe tagelang die gleichen Fahrer und Teams, ich sehe auch die gleichen Schaumweine und Weichkäse (Holger Gertz, SZ 25.7.22).

3953: Uwe Seeler ist gestorben.

Freitag, Juli 22nd, 2022

Mit 85 Jahren ist Uwe Seeler gestorben. Er war ein Klassefußballer, kam 1954 mit 18 Jahren in die Nationalelf und absolvierte dort viele Spiele und schoss viele Tore. Obwohl Seeler Angebote aus dem Ausland hatte, blieb er in Deutschland und sogar beim HSV, den er 1960 zur Meisterschaft geführt hatte. Legendär sind Seelers Beteiligungen an den Fußballweltmeisterschaften 1966 (Großbritannien) und 1970 (Mexiko). Nebenbei arbeitete er als Sportartikelvertreter. Dabei verkörperte stes das „Normale“. Bodenständige, Einfache. Seinerzeit riefen die Fans bei Länderspielen „Uwe, Uwe“. Ich habe Uwe Seeler einige Male in unserem Weserstadion (gegen Werder Bremen) erlebt und auf dem Oldenburger Donnerschwee (wo der VfB Oldenburg spielte). Seeler blieb es nicht erspart, sich angesichts des Missmanagements beim HSV in den neunziger Jahren in die Pflicht nehmen und zum Präsidenten wählen zu lassen, wo er scheiterte. Das tut seinem guten Ruf keinen Abbruch. Er passte wohl nicht mehr ganz zum modernen Kommerzfußball.

3937: Bildung wird immer noch vernachlässigt.

Samstag, Juli 9th, 2022

Es unterliegt keinem Zweifel mehr, dass die Lernleistungen in der Zeit der Pandemie zurückgegangen sind. Das gilt alters-, fächer- und milieuübergreifend. Psychosoziale Entwicklung und körperliche Verfassung haben gelitten. Und die Bildungsungerechtigkeit hat sich im gesamten Bildungssystem verschärft. Diese Entwicklung hat schon vor der Pandemie begonnen. Dabei geht es nicht nur um die Digitalisierung, so wichtig sie ist. Sondern Bildung bedeutet die Erweiterung der Gedanken. Auf drei zentralen Feldern muss es zu entscheidenden Verbesserungen kommen:

1. Der Lehrermangel muss beseitigt werden. Für diesen Beruf kommen aber auch nicht alle Personen einfach in Frage. Deren Qualifikation ist gefragt und muss gefördert werden.

2. Es muss eine Lehrplanreform durchgeführt werden, die a) zu Straffungen und Streichungen führt und b) die Lebenswelt der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Exkursionen und Klassenfahrten sollten das Gelernte vertiefen.

3. Verstärkt werden muss die individuelle Förderung des einzelnen Kindes. Wir können es uns nicht leisten, verantwortungslos auf Kompetenzen zu verzichten. „Hierfür ist ein Austausch zwischen Lernenden, Eltern, Lehrpersonen, Wissenschaft, Bildungsverwaltung, -politik und -öffentlichkeit nötig – aber nicht nur als Feigenblatt oder als Alibiveranstaltung, sondern mit aller Wucht und Verbindlichkeit. Unsere Kinder und Jugenlichen haben mehr Aufmerksamkeit verdient.“

(Klaus Zierer, SZ 8.7.22)

3919: Nordische Kombination für Frauen ins Olympiaprogramm

Donnerstag, Juni 23rd, 2022

Am Freitag entscheidet das IOC über die Aufnahme von Frauen in der Nordischen Kombination (Springen, Langlauf) 2026 ins Olympiaprogramm. 2022 war das noch gescheitert. Die Nordische Kombination ist die einzige Sportart, in der keine Frauen am Start sind. Diese Ablehnung erscheint hier unbegründet. Denn das IOC hat sich ja eine Ausgewogenheit der Geschlechter zum Ziel gesetzt. Die könnte allerdings auch durch das Wegfallen der Nordischen Kombination für Männer erreicht werden. Drei deutsche nordische Sportler, Karl Geiger (Skispringen), Johannes Rydzek (Nordische Kombination) und Eric Frenzel (Nordische Kombination), haben sich aktuell dezidiert für eine Nordische Kombination der Frauen ausgesprochen (SZ 23.6.22).

3905: Der Rundfunkbeitrag bringt 3,8 Prozent mehr.

Donnerstag, Juni 16th, 2022

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschied im Juli 2021, dass die Erhöhung des Rundfunkbeitrags trotz des Widerstands aus Sachsen-Anhalt umgesetzt werden musste. Seither zahlen wir alle 18,36 Euro im Monat für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das ergibt 8,42 Milliarden, 3,8 Prozent mehr.

8,26 Milliarden Euro flossen an ARD, ZDF und Deutschlandradio, 159 Millionen erhielten die Landesmedienanstalten.

Das ZDF erhielt 2,1 Milliarden. Danach folgen absteigend und ihrer Größe entsprechend die ARD-Sender WDR, SWR und NDR. Die neun ARD-Anstalten kommen insgesamt auf 6 Milliarden Euro. Das Deutschlandradio kriegt 240 Millionen Euro (Aurelie von Blazekovic, SZ 15.&16.6.22).

3903: Wende im Prozess gegen Sepp Blatter und Michel Platini

Mittwoch, Juni 15th, 2022

Eine spektakuläre Wende im Prozess gegen Sepp Blatter (früherer Fifa-Präsident) und Michel Platini (ehemaliger Uefa-Präsident) vor dem Bundesgericht in Bellinzona (Schweiz) hat die Aussage des ehemaligen Finanzdirektors der Fifa, Markus Kattner, gebracht. Bisher ging es um die zwei Millionen Franken-Zahlung an Platini 2015. Jetzt geht es um Kattners Aussage, der heutige Fifa-Chef, Gianni Infantino, habe in Zusammenarbeit mit der schweizerischen Bundesanwaltschaft (BA) unter deren Chef Michael Lauber dafür gesorgt, dass Michel Platini wegen der zwei Millionen Franken keine Chance auf den Sessel des Fifa-Chefs hatte, sondern dass Infantion selbst diesen Posten bekam. Hochbrisant. Gegen Infantino laufen zwei Strafverfahren. Noch einen Denkanstoß hat Markus Kattner dem Gericht gegeben: Bei der seinerzeitigen BA-Razzia bei der Fifa ging es um die Ermittlung zu Stimmenkäufen um die WM-Vergabe 2018 (Russland) und 2022 (Katar). Damit hatte die Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an Platini nichts zu tun (Thomas Kistner, SZ 15./16.6.22).

3846: Brigitte Berendonk 80 Jahre alt

Dienstag, Mai 3rd, 2022

Brigitte Berendonk war die erste prominente Aufklärerin über Doping in der Bundesrepublik Deutschland. Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre gehörte sie als Kugelstoßerin und Diskuswerferin selbst der Weltspitze an. Sie war 1958 mit der Familie aus der DDR geflohen. 1969 erschien ihr Aufsatz „Züchten wir Monstren? – Die hormonale Muskelmast“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Bei den Olympischen Spielen 1968 waren ihr die massiven körperlichen Veränderungen bei ihren Konkurrentinnen aufgefallen. Bis heute glaubt sie nicht an eine wirkliche, durchgreifende Verbesserung. „Einige erfolgsgierige Menschen sind nach wie vor auf dem falschen Weg.“ Auch heute noch müssten saubere Athleten gegen Betrüger antreten. Vielen, auch deutschen Funktionären wirft sie „Halbherzigkeit“ und „Opportunismus“ vor.

Die Oberstudienrätin für Englisch und Sport hat mit ihrem Mann, dem Molekularbiologen Werner Franke, unzählige Daten und Fakten zum Dopingbetrug gesammelt. 2004 bekamen sie dafür das Bundesverdienstkreuz. Berendonks möglicherweise größte Leistung war es, nach der Wiedervereinigung die streng geheimen DDR-Doping-Dissertationen und Forschungsarbeiten aus der Militärmedizinischen Akademie in Bad Saarow vor dem Schreddern zu bewahren. 1991 erschien ihr Buch „Doping – von der Forschung zum Betrug“.

„Wer wissen will, was war, der kann es nachlesen.“

(Thomas Purschke, taz 2.5.22)

3845: Novalis 250

Dienstag, Mai 3rd, 2022

Am 2. Mai 1772 wurde Friedrich von Hardenberg geboren, der sich seit seiner ersten literarischen Veröffentlichung Novalis („der Neuland Rodende“) nannte. Sein „Heinrich von Ofterdingen“ ist das protagonistische Werk der Frühromantik. Weiter erschienen Sammelwerke wie „Blütenstaub“ und „Glauben und Liebe“. Hardenberg arbeitete als Bergassessor. Die Todessehnsucht wurde ein es seiner geläufigsten Motive. Vor allem seit dem Tod seiner Verlobten Sophie von Kühn. Friedrich von Hardenberg starb schon mit 28 Jahren. Novalis‘ Werk wurde von Friedrich und August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck wissenschaftlich stark bearbeitet. Friedrich Schlegel schrieb 1792 an seinen Bruder: „Das Schicksal hat einen jungen Mann in meine Hand gegeben, aus dem Alles werden kann.“ Novalis‘ Denken war bestimmt von seiner Erkenntnis: „Wir suchen überall das Unbedingte und finden immer nur Dinge.“ Heinrichs Traum von der notorischen blauen Blume ist nicht bloß als schwärmerische Kulisse zu verstehen, sondern als Botschaft eines Naturbilds, das durch geologische Messungen und Analysen auf eine nahezu unendliche Dauer zurückweist. Romantische Sehnsucht hat hier ihren historisch datierbaren Kern (Andreas Bernard, SZ 30.4./1.5.22).

3818: Frank Ulrich (SPD) erscheint konsequent.

Donnerstag, April 7th, 2022

Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses und ehemalige Biathlon-Olympiasieger Frank Ulrich (SPD) lässt seine Funktion im Aufsichtsrat der Nationalen Dopingagentur (Nada) ruhen. Er war in die Kritik geraten, als ein ehemaliger Verbandsarzt des Deutschen Skiläuferverbandes der DDR (DSLV) behauptet hatte, dass Ulrich und 20 andere Sportler der DDR zwischen Oktober 1985 und Januar 1986 mit Oral-Turinabol gedopt gewesen seien. Ulrich teilte mit, dass er weder als aktiver Sportler noch als Trainer bewusst Berührung mit Dopingmitteln gehabt habe.

„Und doch war ich Teil eines sportlichen Systems, das für uns Sportler mitunter schwer zu durchschauen war. Die Stasi-Akte des Arztes, der für mich verantwortlich war, zeigt dies.“ „Ich kann mir meinen Namen darin nicht erklären. Zumal ich im angegebenen Zeitraum kein aktiver Sportler mehr war.“ Ulrich nahm das Angebot der SED-Opferbeauftragten des Deutschen Bundestages, Evelyn Zupke, an, mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Ich werde mit ihr gemeinsam auch den Austausch mit Doping-Betroffenen suchen. Das ist letztlich eine Chance, gemeinsam mehr Licht in das DDR-Sportsystem zu bringen und in die Rolle, die wir darin gespielt haben. Die Gespräche werden auch helfen zu eruieren, wo wir Dopingopfer besser unterstützen können.“ (SZ 7.4.22)