Archive for the ‘Sport’ Category

3582: Torquato Tasso gewinnt den 100. „Prix de l’Arc de Triomphe“.

Dienstag, Oktober 5th, 2021

Der „Prix de l’Arc de Triomphe“ in Paris-Langchamp ist das wichtigste Galopprennen der Welt. Mit einer gegenwärtigen Gewinnsumme von 2,857 Millionen Euro. Nur dreimal wurde es von Pferden aus deutscher Zucht gewonnen: „Star Appeal“ 1975, „Danedream“ 2011 und „Torquato Tasso“ in diesem Jahr beim 100. Rennen. Ich hatte das Glück, 2011 beim Sieg von „Danedream“ mit meiner Frau und meinem Sohn dabeizusein. Fantastisch.

Der nach Goethes Schauspiel „Torquato Tasso“ genannte Hengst aus dem Gestüt Auenquelle (Rödinghausen in Ostwestfalen) gewann 2021 als krasser Außenseiter. In einem fulminanten Endspurt. Er hatte Anfang September schon den „Großen Preis von Baden“ in Baden-Baden gewonnen. Für seinen Jockey René Piechulek (Stalljockey des Münchener Stalls Salzburg), 34, war es gewiss einer der Höhepunkte seiner Karriere.

Die Frage ist jetzt, ob „Torquato Tasso“ im Nobember noch beim „Japan Cup“ ins Rennen geht. Oder gleich als Deckhengst „arbeitet“ (Ulrich Hartmann, SZ 5.10.21).

3557: Prozess gegen Boris Becker verschoben

Samstag, September 11th, 2021

Weil er sich mit seinem Anwalt überworfen hat, muss der Prozess gegen Boris Becker wegen mutmaßlicher Falschaussagen in einem Insolvenzverfahren in London verschoben werden. Um mehrere Monate. Vermutlich beginnt das Verfahren erst im März 2022. Als neuen Rechtsbeistand hat Becker die Kanzlei LA Piper. Ihm wird vorgeworfen, bei seinem Bankrott vor vier Jahren gegenüber dem Insolvenzverfahrensleiter Vermögenswerte in Millionenhöhe nicht korrekt angegeben und verschleiert zu haben. Es geht um wertvolle Sport-Trophäen, Immobilien in Deutschland, eine Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea und hohe Bargeldsummen. Boris Becker soll seiner damaligen Frau Lily, seiner ehemaligen Frau Barbara und einer anderen Frau fünf- bis sechsstellige Summen gegeben haben. Becker weist alle Vorwürfe zurück (ppl., FAZ 11.9.21).

3500: Pogacar macht es wie Armstrong.

Mittwoch, Juli 21st, 2021

Antoine Vayer, 58, gilt im Radsport als Nestbeschmutzer. Er war in den Neunzigern Trainer bei Festina, heute ist er Lehrer für Physik und Sport an einer Gesamtschule in Frankreich. Er nimmt die Tour de France in einem Interview mit Jean-Marie Magro (SZ 19.7.21) kritisch in den Blick. Für ihn hat Tadej Pogacar (Slowenien) 2021 die Tour dominiert wie Lance Armstrong (USA) 1999.

„Pogacar verteidigt sich auf Pressekonferenzen wie Armstrong. Als wir letzteren befragten, wie seine Leistungen zu erklären seien, sagte er immer wieder, er sei der am meisten getestete Mensch der Welt. Exakt die Verteidigungsstrategie wie Pogacar. … Wir müssen aufhören, an diesen Unsinn zu glauben, es gebe außergewöhnliche Champions, die mit einem Peloton spielen, in dem bereits lauter außergewöhnliche Champions fahren. … Nach meinen Berechnungen liegt er (Pogacar, W.S.) zehn Watt über den anderen Favoriten. Zehn Watt, das ist monströs, da liegt eine Welt dazwischen. Ich habe so etwas noch nie gesehen.“

Tadei Pogacar und Primos Roglic kommen aus Slowenien, also „aus einem Land, in dem der Kampf gegen Doping noch trostloser ist als in den meisten Ländern Europas. Dazu arbeiten sie mit Leuten zusammen, denen ich die schlechtesten Zeugnisse überhaupt ausstelle.“

„1998 waren 99 Prozent des Pelotons gedopt. Das weiß ich, weil ich damals Trainer war. Sehr optimistisch würde ich schätzen, dass sich heute 90 Prozent an die Spielregeln halten. … Es gibt einige Parallelen zum Beginn der Neunziger. Damals kam Epo als neues Dopingmittel auf. Das, was Epo damals war, könnten die PFC und die synthetischen Hämoglobine heute sein. Wenn ich betrügen wollte, würde ich einen Arzt suchen, der damit umgehen kann, …“

3487: Uli Hoeneß‘ System

Montag, Juli 12th, 2021

Bei der Verabschiedung des „Doppelpass“ (Sport 1)-Moderators Thomas Helmer landete Uli Hoeneß gleich wieder einen verbalen Rundumschlag (SZ 12.7.21). Er kritisierte Toni Kroos scharf. Der sei bei der EM Teil des Hauptproblems gewesen. Er habe keinen anderen Spieler gesehen, der so gespielt habe wie Toni Kroos. Kroos spiele „Angsthasenfußball“. Immer nur quer statt steil. Hoeneß hätte mit einer Viererkette gespielt. Und im Mittelfeld die Bayern Joshua Kimmich, Leon Goetzka und Thomas Müller. Sowie auf außen Serge Gnabry und leroy Sané (ebenfalls Bayern).

Fazit: Im Wesentlichen hat Uli Hoeneß recht.

3466: Die deutsche Mannschaft war zu schlecht.

Dienstag, Juni 29th, 2021

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft ausgeschieden. Zu recht. Sie ist nicht mehr leistungsstark genug. Die Gründe dafür liegen beim Bundestrainer, der in den ganzen letzten Jahren (Desaster 2018 und 2021) kein Konzept mehr entwickelt hat, wie unsere an Einzelspielern starke Mannschaft erfolgreich spielen konnte. Zum Glück ist er bald weg. Der zweite Fehler war die Überschätzung von Thomas Müller (FC Bayern), der jederzeit für ein großes Ballyhoo gut ist, aber die Leistung nicht mehr bringt. Auch der ist aus der Nationalmannschaft bald weg. Drittens fehlt uns ein starker Stoßstürmer. Viertens sind wir anfällig bei Standards. Fünftens wird Manuel Neuer (FC Bayern) immer schwächer.

Das bringt uns nicht vom Fußball weg. Die Bundesliga bleibt interessant. Und die Nationalmannschaft auch. Es lebe der Fußball!

3456: EU-Europaminister beraten Über Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn.

Mittwoch, Juni 23rd, 2021

Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Uefa den Wunsch Münchens abweist, die Arena beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten, beraten die EU-Europaminister über die Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn. Seit 2018 laufen gegen sie Artikel-7-Verfahren, weil dort Werte wie Menschenwürde, Demokratie und Nichtdiskriminierung gefährdet seien. Auslöser war das ungarische Gesetz, dass etwa die Rechte homosexueller Jugendlicher beschneidet und mit dem Schutz vor Pädophilie begründet wird. Ausgerechnet Ungarns Außenminister warnt davor, Sport zu politisieren. Der Außenminister Luxemburgs, Jean Asselborn, findet das Gesetz „beschämend“. Folgen hat das Vorgehen der Europaminister keine. Denn Polen und Ungarn schützen sich jeweils gegenseitig vor der Streichung ihres Stimmrechts. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist von der Uefa enttäuscht: „Es wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen.“ (MATI, SZ 23.6.21).

3434: Daniel Cohn-Bendit: Fußball-EM „unsinnig“

Sonntag, Juni 6th, 2021

Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit bezeichnete die Austragung an elf (11) Spielorten in zehn (10) Ländern bei der Fußball-EM (ab 11. Juni 2021) „mit dieser Reiserei von Baku in Aserbeidschan über St. Petersburg bis Glasgow und Sevilla“ als „unsinnig“. Den Druck auf Ausrichterstädte, zu den Spielen Zuschauer zuzulassen, nannte Cohn-Bendit „pervers“ (FAS 6.6.21).

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hätte es besser gefunden, wenn die EM „an drei Orten stattgefunden hätte, sodass zahlreiche Reisen nicht hätten stattfinden müssen. Insbesondere Spiele in England hätte ich wegen der Ausbreitung der indischen Mutation nicht zugelassen.“

Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag (SPD), sagte, man könne „nur noch mit dem Kopf schütteln. Ein Abstand von 1,5 Metern kann in einem mit 61.000 Zuschauern voll besetzten Budapester Stadion einfach nicht eingehalten werden. Und das erwünschte Vermeiden von Umarmungen, Jubel und High Fives entspricht schlichtweg nicht der Lebenswirklichkeit bei einer hochemotionalen Sportveranstaltung.“

Daniel Cohn-Bendit: „Ich glaube nicht, dass diese Europameisterschaft die Menschen in Europa zusammenbringt. Das wird bloß ein Fernsehereignis, nicht mehr. Auch wenn es in ein paar Ländern vielleicht Zuschauer geben wird, weil sich die Lage gebessert hat, ist diese Europameisterschaft trotzdem ein Unding. …“

3394: Tuchel zum zweiten Mal hintereinander im Champions-League-Finale

Freitag, Mai 7th, 2021

Thomas Tuchel, 47, erreicht 2021 zum zweiten Mal hintereinander das Champions-League-Finale. Mit dem FC Chelsea-London (mit den deutschen Nationalspielern Antonio Rüdiger, Timo Werner und Kai Havertz). Das ist einmalig. 2020 stand er im Finale mit Paris Saint-Germain. Dort war er kurz vor Weihnachten 2020 entlassen worden. Einen Monat später übernahm er Chelsea (auf dem neunten Platz). Im Finale trifft Chelsea auf Manchester City (Trainer Pep Guardiola). Vor Paris war der Schwabe Tuchel erfolgreicher Trainer bei Mainz 05 und Borussia Dortmund. Bei den Fans war stets Tuchels intellektuelles Image ein Thema. Während er in Paris in fließendem Französisch coachte, tut er es an der Stamford Bridge auf Englisch. Dort hat er in kurzer Zeit ein faszinierend funktionales Spitzenteam geformt (Philipp Selldorf, SZ 7.5.21).

3393: Claudia Pechstein kandidiert für die CDU.

Donnerstag, Mai 6th, 2021

Claudia Pechstein, 49, befindet sich zur Zeit im Radtrainingslager auf Mallorca, weil sie 2022 nochmals zu den Olympischen Spielen in Peking will. Es wäre die achte Olympiateilnahme der Bundespolizistin und ein weiterer Weltrekord. Kurz nach der Schlussfeier wird sie 50 Jahre alt. Aber das ist für sie noch nicht ihre gesamte Belastung. Die CDU hat sie zu einer Direktkandidatur zur Bundestagswahl am 26. September bewegt, obwohl sie kein Parteimitglied ist. Sie hatte aber 2004 für die CDU in der Bundesversammlung gesessen, in der Horst Köhler zum Bundesapräsidenten gewählt wurde. Claudia Pechstein: „Mir ist klar, dass ich in der heißen Wahlkampfphase wohl gänzlich auf Freizeit verzichten muss.“

Dass Claudia Pechstein den Wahlkreis Treptow-Köpenick direkt gewinnt, ist sehr unwahrscheinlich. Hier siegt zuverlässig Gregor Gysi (früher Stasi) für die Linke. Allerdings hat die Berliner CDU Claudia Pechstein auf den sechsten Platz der Landesliste gesetzt und damit beinahe sichergestellt, dass Pechstein ins Parlament gelangt. Die Kandidatin: „Wir haben hierzulande viel wichtigere Probleme zu lösen, als darüber nachzudenken, wo wir das nächste Gendersternchen setzen sollten.“ (Boris Herrmann, SZ 3.5.21) Da kann ich Frau Pechstein nur zustimmen.

3389: Vor 100 Jahren: Capablanca – Lasker

Samstag, Mai 1st, 2021

Am 21. April 1921 verlor der deutsche Schachweltmeister Emanuel Lasker (1868-1941) in Havanna seinen Titel an den Kubaner José Raul Capablanca (1888-1942). Lasker gab beim Stand von 5:9 auf. Er war 27 Jahre lang (1894-1921) Weltmeister gewesen, so lange wie kein anderer. Sein Nachfolger Capablanca blieb es sieben Jahre. Er ist heute noch ein kubanischer Nationalheld. Hatte als Wunderkind begonnen. Er studierte an der Columbia Universität in New York, hängte das Studium jedoch bald an den Nagel, weil die kubanische Republik ihn zum Diplomaten ernannte und finanzierte. Er bekam ein Staatsbgräbnis. Auch das „sozialistische“ Kuba unter Castro (ab 1959) hielt an Capablanca als Nationalheld fest. 1966 fand die Schacholympiade in Havanna statt.

Ganz anders erging es Emanuel Lasker, der Zeit seines Lebens schwer unter dem insbesondere in Deutschland grassierenden Antisemitismus zu leiden hatte und zwischendurch fast vergessen war. Er musste sich durch Schachzeitschriften, Bücher und Vorträge finanzieren. Er promovierte in Mathematik über unendliche Reihen und stritt mit Albert Einstein über die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum. Eine Professur war ihm nicht vergönnt.

Völkische Schachkritiker in Deutschland und Österreich charakterisierten Laskers Spielstil als „undeutsch“. Wie Capablanca entwickelte er ein modernes, gleichsam wissenschaftliches Schachverständnis. Im Zentrum stand nicht mehr die spektakuläre Kombination, sondern die schrittweise Verbesserung der Position Zug um Zug. Für die Weltmeisterschaft 1921 musste er sich eine Schiffsreise nach Havanna zumuten. Er litt unter dem ungewohnten Klima und gewann keine einzige Partie.

Nach 1933 musste er ins Exil (Niederlande, London, UdSSR, New York). Die Nazis erkannten ihm nicht nur die deutsche Staatsbügerschaft ab, sondern tilgten ihn auch aus den Schachlehrbüchern. Fast wäre er ganz in Vergessenheit geraten. So war es in der Bundesrepublik. Zu seinem 100. Geburtstag wurde keine Briefmarke herausgegeben. In der DDR wurde sein Andenken gepflegt und das Schachspiel gefördert. 2001 wurde die Emanuel-Lasker-Gesellschaft in Potsdam gegründet. Vor drei Jahren zum 150. Geburtstag engagierte sich der Deutsche Schachbund für ein internationales „Lasker-Jahr“ (Bert Hoffmann, taz 24./25.4.21).