3915: Kia Vahland über den Antisemitismus auf der Documenta

Nun ist es ganz klar. Am Freitag wurde auf der Documenta ein offen antisemitisches Gemälde des indonesischen Künstlerkollektivs Tarik Padi angebracht. Mit wölfischen Reißzähnen, Schläfenlocken, Kippa und SS-Mütze.

Die Opfer des Holocaust werden zu Tätern gemacht.

Und ein Schwein mit Davidstern wird als „Mossad“ bezeichnet. Wie der israelische Auslandsgeheimdienst. Wie alt jenes Schandmotiv des Schweins ist, zeigt gerade die Debatte (einschließlich Bundesverfassungsgericht) über die Wittenberger „Judensau“.

Kia Vahland (SZ 21.6.22) schreibt dazu:

„Dieser Hass, diese Hetze von Kassel zerstören einen schönen Traum: dass die Kunstschau des Jahres eine Feier der Freiheit und der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen werden könnte. Sehr viele der mehr als 1.500 Eingeladenen wollten und wollen genau das. Einige aber verbreiten lieber üble Ressentiments. Und andere verhindern ebendieses nicht: Weder das indonesische Kuratorenkollektiv Ruangrupa schritt ein noch die Geschäftsführerin oder jene Kulturfunktionäre, die das Werden der Ausstellung seit Monaten begleiten.

Es ist ein einziges Scheitern.

Worauf wartet Ruangrupa noch – wann erklären sich die Kuratoren und ihre Unterstützer, hören den nun zu Recht entsetzten Jüdinnen und Juden im Land zu und nehmen ihrerseits das gesamte Gemälde ab, anstatt nur Teile zu verhängen? Wollen sie jetzt wirklich abwarten, ob das andere verfügen, und dann ‚Zensur‘ schreien? Man kann es auch immer noch schlimmer machen.

Den Schaden tragen jetzt schon all jene Künstler, die um der Kunst und des Austausches willen nach Deutschland reisten und unbedingt Sehenswertes schufen. Für sie lohnt sich immer noch ein Besuch.“

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