3693: Gottfried Benn spendierte Morphium.

Wie Jörg Magenau (SZ 21.12.21) so treffend schreibt, ist Hans Fallada „gründlich ausbiografiert“. Trotzdem hat der Vorsitzende der Hans-Fallada-Gesellschaft, Michael Töteberg, einen neuen Roman vorgelegt:

Falladas letzte Liebe. Berlin (Aufbau) 2021, 336 Seiten.

Er befasst sich nur mit der Zeit von 1945 bis zu Falladas frühem Tod 1947. Die Sowjets hatten ihn zum Bürgermeister im mecklenburgischen Feldberg gemacht, eine Aufgabe, die den Schriftsteller völlig überforderte. Er floh mit seiner jungen zweiten Frau Ulla nach Berlin und in die Drogen. Permanent herrschte deswegen Geldknappheit. Es waren Akte der gegenseitigen Selbstzerstörung. Manchmal spendierte Dr. Gottfried Benn eine Portion Morphium. Fallada schrieb trotzdem in einem einzigten Monat „Jeder stirbt für sich allein“, einzigartig in unserer Literatur.

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