3679: John Heartfield – ein politischer Aktivist und Medienkünstler

Geboren wurde er in Berlin als Sohn des Schriftstellers Franz Herzfeld und der Textilarbeiterin Alice Stolzenberg, wuchs aber weithin bei Pflegeeltern in der Schweiz und Österreich (bei Salzburg) auf und erschien zeitlebens so, als sei nirgends richtig zu Hause: John Heartfield. Er machte eine Lehre bei einem Buchhändler in Wiesbaden und freundete sich, nachdem er früh aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt war, mit dem jungen Künstler Georg Ehrenfried Groß (George Grosz) an. Beide gaben sich englisch klingende Namen, das sollte weltläufiger klingen. Der Dritte im Bundes war Heartfields Bruder Wieland Herzfelde, der spätere Eigner des Malik-Verlags. Sie gaben eine pazifistische Zeitschrift heraus: „Neue Jugend“ und wurden zu Mitbegründern der Dada-Bewegung.  Ihr Kampf galt dem Krieg und dem Kapitalismus. Sie traten der KPD bei.

Heartfield entwickelt nach seinem Kunststudium (Grafikdesign) provokante Collagen. Er ist der eigentliche Begründer der Fotomontage in einer Zeit, als man noch mit der Schere arbeitet. Mit Bertolt Brecht ist er befreundet. Sein Lebensthema ist die Grausamkeit und Absurdität des Krieges. Er erreicht Millionen, die sich keine Kunst leisten können, weil er für kommunistische Publikationen und Buchverlage arbeitet. Auch die SPD verschont er nicht mit seiner politischen Kritik. Er wirft ihr vor, häufig ohne Not zu stark mit konservativen Parteien zusammenzuarbeiten. Das ändert sich erst, als Ende der zwanziger Jahre der Siegeszug Adolf Hitlers beginnt. Heartfield arbeitet inzwischen vorzugsweise für die „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ (AIZ). Den Kommunismus verschont er überwiegend mit seiner Kritik. Auch als Josef Stalin sein Terror-Regime („Stalinismus“) begründet (ab 1929). 1931 bereist Heartfield ein Jahr lang die Sowjetunion.

„In den Monaten vor und nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten läuft der Künstler zu großer Form auf. Der angehende Diktator Adolf Hitler erscheint bei ihm mal als schmieriger

Wiedergänger des letzten Hohenzollern-Kaisers,

als Lügner mit grotesk kurzen Beinen, als Günstling deutscher Großkapitalisten oder, absolut realistisch, als Chef einer Mörderbande, der seine eigenen Getreuen kaltblütig liquidieren lässt (mit Gewehren ‚Modell Krupp‘, die den ‚Gruß vom Führer‘ übermitteln, oder in einer anderen Darstellung auch mit dem ‚Ehrendolch‘) – eine Reaktion auf die Ermordung Ernst Röhms und anderer SA-Führer und Konservativer im Juni 1934.“ (Christian Mayer, SZ 11./12.12.21)

Heartfield kann 1933 gerade so noch vor den Nazis nach Prag fliehen, wohin auch der Malik-Verlag emigriert ist. Regimekritiker werden inzwischen in Konzentrationslagern umgebracht. Heartfield arbeitet über den Reichstagsbrand-Prozess. Die Leichtigkeit der Dada-Zeit ist längst vorbei. 1938 muss Heartfield weiter nach London fliehen, wo er dafür dann zeitweise als „feindlicher Ausländer“ eingestuft wird. Hier findet er die Liebe seines Lebens, seine dritte Frau „Tutti“. Erst 1950 geht Heartfield, wohl eher aus Pflichtgefühl, in die DDR. Er lässt sich in Leipzig nieder, gilt aber als „Westemigrant“, als destruktiv und „dekadent“, das tragische Schicksal eines großen deutschen Kommunisten. Erst 1956 kann Heartfield in die SED eintreten. Er arbeitet auch als Bühnenbildner und wieder für Bertolt Brecht. 1968 stirbt er in Ost-Berlin.

 

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