3502: Israel als letzter Fall des Kolonialismus ?

Wem bisher die Probleme von postkononialen Theoretikern wie A. Dirk Moses mit der Singularität des Holocaust noch nicht plausibel waren, dem schenkt Thomas E. Schmidt nun reinen Wein ein (Die Zeit 22.7.21). Ich fasse seine Argumente hier zusammen:

1. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden nicht (mit John Locke und Immanuel Kant) die Menschenrechte erklärt und begann das Zeitalter der Demokratie, sondern das der weißen Vorherrschaft.

2. Sie wurde durchgesetzt mit Hochsee-Seglern und Kanonen.

3. „Whiteness“ wurde die Lebensform der sozialen Unterschiede, des Eigentums, des Verbrauchs der natürlichen Ressourcen und der männlichen Gewalt.

4. Die Linke war die einzige dekolonialisierende Kraft. Sie wurde die einzige Gegenmacht zur „Whiteness“.

5. Deutschland begab sich nach 1945 auf den Weg nach Westen, in die „Whiteness“ hinein. Das war nur eine Etappe des Rassismus.

6. Seither stützt Deutschland die israelische Politik gegen die Palästinenser.

7. „Die meisten sind für Israel, aber gegen die dortige Behandlung der Palästinenser. Andererseits: Israel deswegen zu verdammen, ist das antirassistisch, antizionistisch, antjüdisch oder sogar antisemitisch?“

8. Nur Rechtsextreme fordern noch, dass Israel von der Landkarte verschwinden soll.

9. „So gesehen ereignet sich der aktuelle Ernstfall von ‚whiteness‘ in Israel.“

10. „Die jüdische Landnahme stellt .. den letzten großen Fall in der modernen Geschichte der Kolonisierung dar, Israel die derzeit skandalöseste Gestalt westlicher Nationalität im ‚rassistischen Jahrhundert‘ (Moses). Originär ist dann nicht die Schoah, sondern die Gründung des Judenstaates.“

Kommentar von Wilfried Scharf: Thomas E. Schmidt gelingt eine überzeugende Charakterisierung der Verirrungen der postkolonialen Theorie im Hinblick auf Israel. Die Merkelsche Politik, Israel zur deutschen Staatssouveränität zu zählen, ist richtig.

 

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