3389: Vor 100 Jahren: Capablanca – Lasker

Am 21. April 1921 verlor der deutsche Schachweltmeister Emanuel Lasker (1868-1941) in Havanna seinen Titel an den Kubaner José Raul Capablanca (1888-1942). Lasker gab beim Stand von 5:9 auf. Er war 27 Jahre lang (1894-1921) Weltmeister gewesen, so lange wie kein anderer. Sein Nachfolger Capablanca blieb es sieben Jahre. Er ist heute noch ein kubanischer Nationalheld. Hatte als Wunderkind begonnen. Er studierte an der Columbia Universität in New York, hängte das Studium jedoch bald an den Nagel, weil die kubanische Republik ihn zum Diplomaten ernannte und finanzierte. Er bekam ein Staatsbgräbnis. Auch das „sozialistische“ Kuba unter Castro (ab 1959) hielt an Capablanca als Nationalheld fest. 1966 fand die Schacholympiade in Havanna statt.

Ganz anders erging es Emanuel Lasker, der Zeit seines Lebens schwer unter dem insbesondere in Deutschland grassierenden Antisemitismus zu leiden hatte und zwischendurch fast vergessen war. Er musste sich durch Schachzeitschriften, Bücher und Vorträge finanzieren. Er promovierte in Mathematik über unendliche Reihen und stritt mit Albert Einstein über die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum. Eine Professur war ihm nicht vergönnt.

Völkische Schachkritiker in Deutschland und Österreich charakterisierten Laskers Spielstil als „undeutsch“. Wie Capablanca entwickelte er ein modernes, gleichsam wissenschaftliches Schachverständnis. Im Zentrum stand nicht mehr die spektakuläre Kombination, sondern die schrittweise Verbesserung der Position Zug um Zug. Für die Weltmeisterschaft 1921 musste er sich eine Schiffsreise nach Havanna zumuten. Er litt unter dem ungewohnten Klima und gewann keine einzige Partie.

Nach 1933 musste er ins Exil (Niederlande, London, UdSSR, New York). Die Nazis erkannten ihm nicht nur die deutsche Staatsbügerschaft ab, sondern tilgten ihn auch aus den Schachlehrbüchern. Fast wäre er ganz in Vergessenheit geraten. So war es in der Bundesrepublik. Zu seinem 100. Geburtstag wurde keine Briefmarke herausgegeben. In der DDR wurde sein Andenken gepflegt und das Schachspiel gefördert. 2001 wurde die Emanuel-Lasker-Gesellschaft in Potsdam gegründet. Vor drei Jahren zum 150. Geburtstag engagierte sich der Deutsche Schachbund für ein internationales „Lasker-Jahr“ (Bert Hoffmann, taz 24./25.4.21).

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